Medienmitteilung der Odenwaldbahn-Initiative vom 07.09.26
Ertüchtigung der Odenwaldbahn:
Versäumnisse holen Politik nahezu parteiübergreifend ein
REGION SÜDHESSEN, 07.09.26
Mit der Wiederinbetriebnahme der Kreuzungsbahnhöfe Mühltal und Hetzbach ist erst deutlich nach 2030 zu rechnen. Das hat eine Anfrage der Grünen aus Oberzent an das hessische Verkehrsministerium ergeben, wie das "Odenwälder Echo" am 03.09.26 berichtete. Auch Mittel aus den Sonderschulden für die Infrastruktur würden demnach "nicht zu einer Beschleunigung der Maßnahme führen". Die Folgen: Wegen des fehlenden Kreuzungsbahnhofs Mühltal bleibt die Pünktlichkeit auf der Gesamtstrecke erheblich beeinträchtigt, da im Verspätungsfall dorthin keine Zugbegegnungen verlegt werden können. Verpasste Busanschlüsse in Mühltal, Ober-Ramstadt, Reinheim, Otzberg und Höchst sowie Kettenreaktionen auf die Gegenrichtung und den Hanauer Streckenast sind die Folge. Solange das zweite Gleis in Hetzbach außer Betrieb ist, können die Züge zwischen Erbach und Eberbach nicht stündlich fahren.
Nach Ansicht der Odenwaldbahn-Initiative ist die ganze Geschichte seit Veröffentlichung der "Erbacher Erklärung" im Jahr 2020 eine Kette gebrochener Versprechen. Denn bis 2030 sollten sowohl die beiden Bahnhöfe wieder mit zweitem Gleis ausgestattet sein als auch ALLE Bahnsteige verlängert sein. Jedoch hat der RMV - in dessen Aufsichtsrat u. a. die Landräte bzw. ÖPNV-Dezernenten und der hessische Verkehrsminister sitzen - verfügt, dass die Bahnsteige im Odenwaldkreis nicht verlängert werden. Hingegen wird das Land Baden-Württemberg seine Hausaufgaben machen und arbeitet fleißig an der Verlängerung des Odenwald-Bahnsteigs an Gl. 4 und 5 in Eberbach.
Weil die Bahnsteige zu kurz bleiben, sind weiterhin Kuppelmanöver in Wiebelsbach erforderlich, denn die von Frankfurt kommenden längeren Züge können nicht so in den Odenwaldkreis weiterfahren. Für die Kuppelmanöver braucht es Personal, das das derzeitige Unternehmen Vias offensichtlich nicht ausreichend bereitstellen kann. Zudem können nur 120 Meter kurze Züge von Eberbach nicht weiterfahren Richtung Heilbronn, was jedoch für die Attraktivität des Südabschnitts und der Gesamtstrecke von großer Bedeutung ist - für das Neckartal und weiträumige, nachfragestarke Verkehre (Frankfurt Darmstadt Nord Ober-Ramstadt Erbach Eberbach Heilbronn, mit Halt auf der Odenwaldbahn überall) braucht es eben längere Züge.
Als im Jahr 2000 das "Eckpunktepapier" zur Odenwaldbahn beschlossen wurde, waren nur fünf Jahre später neue Züge (die Itinos) da und der Darmstädter Nordbahnhof vollständig umgebaut, damit die Züge direkt nach Frankfurt fahren konnten. Nur drei Jahre später, 2008, waren alle Kreuzungsbahnhöfe umgebaut. Hingegen gibt es sechs Jahre nach Veröffentlichung der "Erbacher Erklärung" keine absehbaren Infrastrukturverbesserungen, obwohl von 2014 bis 2024 der hessische Verkehrsminister von den Grünen gestellt wurde, die ÖPNV-Dezernenten in Darmstadt und Darmstadt-Dieburg ebenfalls seit 2011 bis 2024 (teilweise) von den Grünen bzw. seitdem von der Partei des Ministerpräsidenten, und der Odenwaldkreis während der Ampel-Bundesregierung von drei Bundestagsabgeordneten von SPD, Grünen und CDU repräsentiert wurde. In der Wahlperiode 2019-24 gab es Odenwaldkreis-Landtagsabgeordnete von SPD, Grünen, FDP und CDU. Im Kreis Darmstadt-Dieburg stellt die CDU mittlerweile sogar einen Landesminister und beide Dadina-Vorstände und aus dem Raum Darmstadt gibt es drei Landtagsabgeordnete von CDU, Grünen und SPD.
Um es mit einem textlich ergänzten Buchtitel des SPD-Abgeordneten (der zu seiner Erstwahl 2016 Mobilität zum Schwerpunkt erklärte) zu formulieren: "Was machen Politiker eigentlich beruflich ..." für die Odenwaldbahn in ihren Wahlkreisen?